Meine Geschichten


Der Tag eines Lehrers

(c) von Sibylle Ringling

Nach der großen Pause strömten die Schüler wieder alle in das große Schulgebäude. Die vierte Klasse schrieb heute in dem Fach Deutsch ein Diktat. Bei dem Diktat handelte es sich um einen Sachtext, den die Kinder noch nicht kannten. Viele Kinder waren schon etwas aufgeregt, denn sie wollten natürlich gute Noten schreiben. Nun betrat der Lehrer, Herr Hoffmann, den Unterrichtsraum und begrüßte die Kinder. "Guten Morgen," sagte er freundlich und setzte sich an seinen Platz vor dem Lehrerpult.

"Guten Morgen, Herr Hoffmann," erwiderte die ganze Klasse. Nun kramten die Schüler in ihren Schulranzen nach ihrem Deutschheft und schlugen es auf. Das Diktat sollte gleich beginnen. Manche Kinder stellten ihr Mäppchen oder gleich gar ihren Schulranzen zu ihrem Tischnachbarn, was ein Abschreiben des Nachbarschülers verhindern sollte.

Nun waren alle Hefte aufgeschlagen und die Schüler hielten schon ihre Tintenfüller bereit. Das Diktat konnte schon gleich beginnen. Der Lehrer stand inzwischen an der Tafel und hielt eine Kreide in seiner rechten Hand. Genau genommen zwischen Daumen und seinem Zeigefinger. Während der Lehrer den Titel des Diktats an die Tafel schrieb und die Kinder ermahnte, auf die Rechtschreibregeln, wegen Punkt und Kommata aufzupassen, redeten Emil und Michael unablässig miteinander.

"Emil und Michael, wenn ihr nicht gleich eine zusätzliche Strafarbeit über das ruhig sein im Klassenzimmer nach dem Diktat in der nächsten Pause schreiben wollt, dann seid ihr jetzt ruhig !" ermahnte der Lehrer streng und die beiden Jungen waren recht schnell still und versuchten, sich auf das bevorstehende Diktat zu konzentrieren.

Der Lehrer, Herr Hoffmann, holte inzwischen aus seiner Tragetasche eine Mappe hervor und entnahm der Mappe ein Blatt. Auf dem Blatt stand der Text mit den Satzzreichen, denen er seinen Schüler gleich vordiktieren wollte. Herr Hoffmann war im Moment vor Beginn des Diktats ganz gespannt, welche seiner Schüler wohl am Besten abschnitten würden. Er dachte nachdenklich bei sich: "Wenn Emil gerade den Unterricht gestört hatte, ist das nicht so schlimm. Er wird sicherlich eine 1 minus oder eine 2 plus schreiben. Er macht kaum Fehler. Auch Johanna, Vanessa und Jennifer waren neben Emil gute Schülerinnen."

Der Lehrer fing an, die Überschrift des Textes vorzulesen und er sah, wie seine Schüler, egal ob Mädchen oder Jungen, eifrig mitschrieben. Herr Hoffmann war zufrieden und las jetzt seinen Schüler langsam und Satz für Satz den Text vor. Er war nicht zu langsam, denn die Schüler sollten selbst am Besten wissen, wann ein Komma oder ein Punkt oder ein anderes Satzzeichen am Ende eines Satzes folgte. Dann war das Diktat und die Stunde auch schon fast vorbei. Die Kinder schlugen ihre Deutschhefte zu und gaben sie alle bei ihren Lehrer vorne am Lehrertisch ab, indem die Schüler ihre Hefte nacheinander auf den Tisch legten.

"Ich muss schon wieder so viele Hefte korrigieren," dachte Lehrer Hoffmann bei sich und stöhnte innerlich auf. Heute wollte er unbedingt mit seine Stute Rosa noch auf de Feldwegen und ein wenig im Wald ausreiten. Die Feldwege waren in dem Wald auch gemütliche Wege, auf denen man wunderbar mit seinem Pferd reiten konnte.

Herr Hoffmann freute sich, er hatte nur noch Unterrichtsstunden zu bewältigen und dann durfte er nach Hause gehen.

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Herr Hoffmann war endlich zu Hause angekommen und öffnete die Eingangstür seines Hauses und das seiner Frau mit dem Haustürschlüssel. Seine Frau hatte Essen gekocht und es gab gute Ravioli mit Tomatensoße. Nach dem Mittagessen verabschiedete Manuel sich von seiner Frau, in dem er ihr einen Kuss auf die rechte Wange gab.

"Ich gehe reiten, Franziska," sagte er gut gelaunt, denn er hatte immer gute Laune, wenn er zu seinem Pferd in dem Stall ging. "Bis später Manuel," erwiderte Franziska und ließ ihren Mann nur ungern gehen, da sie in den nächsten Stunden wieder sehr einsam war. Ihre Freundinnen traf Franziska nur abends am Wochenende und nicht Werktags in der Woche. Da war sie ganz auf ihren Mann angewiesen. Franziska fühlte sich sehr einsam, wollte Manuel keinen Vorwurf machen und ließ ihn ruhig gehen, denn sie wusste, in zwei, drei Stunden würde er wieder kommen und heute schien die Sonne besonders schön und es waren 25 Grad warm.

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Manuel Hoffmann saß in seinem dunkelblaunen Opel und fuhr eine halbe Stunde zu dem Stall. Der Stall stand etwas abseits neben einem großen Bauernhof auf einer Wiese. Manuel ging mit seinen Gummistiefel, die er gerade angezogen hatte, in den Stall hinein und begrüßte einen jungen Burschen, der sich um die Pferde kümmerte. In dem Stall waren ein paar Tiere untergebracht und der Bursche hatte schon etwas zu tun.

"Wie geht es Rosa?" fragte Manuel den Burschen.

"Ihr geht es sehr gut, sie hat kein Leiden und sie fühlt sich heute wohl. Sie dürfen reiten," antwortete der 25 jährige Bursche und ging dann seines Weges daher.

Manuel nahm sich dann seinen Sattel, sattelte das Pferd und führte es auf den Stall und auf den Feldweg hinaus. Er setzte sich auf und ritt in einem langsamen Schritt. Das machte er immer so, weil er im Galopp den Weg nicht reiten konnte. Nun ritt Herr Hoffmann im Schritt und freute sich ob des schönen Tages und dem leichten, frischen Wind der aufkam und seinem Pferd Rosa nur ganz sachte durch die Mähne strich. Herr Hoffmann ritt schon eine Weile des Weges daher, als er einen Feldhasen schnell über ein Feld hoppeln sah. Der Reiter freute sich riesig über den Feldhasen, weil er Hasen neben Pferde besonders mochte. Hasen, Pferde und Hunde waren seine Lieblinge unter den Tieren.

Nachdem Herr Hoffmann gut eine Stunde geritten war, erreichte er einen kleinen, munteren Bach. Das Wasser floß schnell und er stieg von seinem Pferd ab. Er ließ das Pferd frei auf der Wiese, die sich neben dem Bach auftat, stehen und ging zu dem kleinen Bach. Er nahn beide Hände und schöpfte Wasser, welches er gleich darauf trank. Das tat er dreimal, während sein Pferd leicht graste.

Danach ruhte sich Manuel Hoffmann auf einen kurzen, abgestumpften Baumstamm aus und ritt dann wieder langsam nach Hause. So ein Ritt war eine schöne Sache, er konnte sich dabei wunderbar erholen !

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Am Abend aß Herr Hoffmann zusammen mit seiner Frau frisches Bauernbrot mit Butter und Käse. Dazu gab es Mineralwasser. Einige Zeit später, gegen 19:00 Uhr, korrigierte Lehrer Hoffmann die Deutscharbeit von heute morgen. Seine Viertklässler haben ihn im Diktat erfreut und er war guter Dinge.