Elfenbrunnen

(c) von Sibylle Ringling

Die Sonne schien bereits am Himmel. Es war Frühling und es war warm. Die kleine Sibelfing saß auf ihrer roten Lieblingsblume, einer Tulpe und sang ihr Morgenlied. Es war eine schöne, heimelige Weise und sie zog die anderen Elfen in ihren Bann. Der kleine Elfling Robert schlug auf der Wiese vor seinem kleinen Steinpilzhaus mit seinen zwei kleinen halbrunden Fenstern, der kleinen halbrunden Tür und dem dunkelbraunen Dach vor Freude Purzelbäume. Eine ebenso kleine Laterne, die am Abend munter leuchtete, stand links neben seinem Wohnpilz, dorthin, wo ein Weg entlang führte. Für uns Menschen muss das Reich der Elfen klein und zierlich vorkommen, wenn nicht gar zerbrechlich. Doch gibt es in dem Wohngebiet der Elfen keine lebende Menschen. Die kleinen Elfchen lebten so geschützt, wie es nur geht, denn die Wiesenfläche war mehrere Hektar groß, fernab von dem großen, gefährlichen Treiben der Menschen. Kein Mensch hatte das geheime Elfenreich, in dem gerade der Gesang aufgehört und muntere Flötenmelodien erklangen, gesehen, geschweigen denn betreten. Menschen würden das geheime Elfenreich nur mit ihren matschigen, nassen Schuhen und Gummistiefel vernichten, in dem sie Blumen umtraten und beim Laufen umknickten. Genauso verhielt es sich mit den Wohnpilzen und anderen Elfenrat. Die Elfen waren sich zumindest in einer Sache sicher: in ihre Welt würde es nie einen schmutzigen Schuh geben ! Doch verbarg sich in dem Elfengebiet noch eine andere, bedrohende Gefahr !

Inzwischen war es bereits gegen Mittag und die vielen kleinen Elfen bereiteten sich ihr Mittagsmahl zu. Heute gab es Kleeblätter mit einer hellen Soße. Elfen verwendeten einfache braune Erde, versetzten sie mit kaltem Wasser und verrührten die Erde mit dem Wasser so lange, bis sie hellbraun wurde. Diese Soße wurde dann zu dem Klee gegessen. Es gab ein munteres Elfenmahl und die Elfen freuten sich auf einen ganz besonderen, freudigen Tag.

Die junge Elfe Lania stand mit ihrer Mutter in ihrem Kleegarten vor dem Haus und sahen den emsigen Treiben der Bienen zu, die von Kleeblüte zu Kleeblüte flogen und eifrig Honig sammelten, die die Elfen auch in ihrer Küche verwendeten, denn sie kannten sich mit den Honigwaben gut aus. Die Elfen konnten sich nur winzige Mengen Honig zu sich in die Küche holen, da ihre Tragkraft begrenzt war. Lania unterhielt sich angeregt mit ihrer alten Mutter über die bevorstehende Elfenhochzeit: "Mutter, ich bin gespannt, wie viele Gäste kommen und ob es wieder Lüzelias Honigklee zu essen gibt. Für mich ist das immer so besonders lecker."

"Ja, mein Kind. Ich warte auch sehr gespannt auf das Hochzeitsfest, doch munkelt man, dass der schwarze Elfengraf Hunion die Feier stören und wieder Elfen für seine Gemeinheiten suchen wird. Ich weine gerade so sehr, dass wir uns diesem Grafen, der so mächtig an Elfenmagie ist, uns so sehr ausliefern müssen. Unsere magische Elfen wollen ihm Einhalt gebieten, doch wissen wir nicht, wie stark der Graf inzwischen geworden ist und ob er sich vielleicht noch Anhänger unter uns suchen wird."

"Mama !" Die kleine Elfe fing vor Angst und Entsetzen, als auch vor Wut zu weinen und zu zittern an. Ihre Mutter war hilflos und böse, dass sie dem gefährlichen Feind gänzlich ausgeliefert war. Keine Elfe, ob männlich oder weiblich, konnte sich Hunion widersetzen. Die Elfen scheuten Hunion.

Die kleine Elfe konnte vor Angst nicht mehr mit dem Weinen aufhören und lief in ihrem Haus die Wendeltreppe hoch, die in ihr Zimmer führte. Dort legte sich die junge Elfe auf ihr kleines Elfenbett und schaute aus dem runden Fenster, das in die Pilzwand neben ihrem Bett eingelassen war, während ihre Augen unablässig weinten.

Bald darauf kam der Tag des Festes. Das ganze Elfendorf war festlich geschmückt. Es gab kleine Sitzbänke, Stühle und Tische, sowie ein ausgewogenes Mahl an Honigklee. Ein paar Elfen hatten ein paar Marienkäfer gejagt, die zusätzlich als Fleischbeilage verwendet wurden. Das Essen war noch nicht angerührt, als das verliebte Elfenpaar den Platz betrat. Ein Elfenorchester stimmte eine mystische Weise an und das Paar sagte nacheinander eine Treuerede auf. Danach setzte sich das Paar an das Kopfende eines der vielen, langen Tisches. Viele lange Tische standen auf dem Festplatz. Die anderen Elfen nahmen ebenfalls platz und waren genüßlich am Speisen, während der Boden leise anfing zu beben. Jede anwesende Elfe, sowie das Hochzeitspaar sprang ängstlich und in einer schlimmen Verheißung von seinen Plätzen, auf. Hunion kam und wollte wieder freie Elfen fangen. Jedes Jahr schwanden auf Festen oder zu anderen Anlässen 10 junge und wunderschöne Elfen !

Es dauerte nicht lange, bis Hunion mit seinen Mannen auf dem Festplatz auftrat. Er war sehr klein, kräftig und ganz in schwarz gekleidet. Seine Kleidung war nass, voller Matsch und zerrissen. Mit einer langen Peitsche knallte er auf die Festwiese. Er ließ seine Mannen ausschwirren und er hatte bald 9 junge Elfen in Gewahrsam. Diese junge Elfen nahm er mit auf seine dunkle, kalte und angsteinflößende Burg.

In einem Turmzimmer steckte er die Elfen in einen kleinen eisenernen Käfig und die Elfen weinten, weil sie nicht mehr frei fliegen durften. Die Elfen hatten auch alle Angst vor ihrer grauenvollen Zukunft: Der Elfenmagier ließ die kleinen Elfen völlig erstarren, so dass sie nicht mehr wieder zum Leben erweckt werden konnten. Dann lachte der böse Elf sich ins Fäustchen und machte sein Geschäft mit einem Geschäftsmann der Menschen, obwohl das Reich der Fantasie genau unter diesem Verbot lag ! Dieser Mensch verbreitete die erstarrten Elfen an eine Person, die Zierbrunnen für die Wohnung herstellte. Diese Person brachte die erstarrten Elfen an die Brunnen an und verkaufte diese für gutes Geld im Internet, durch andere Anbieter.

Auf diese Weise gelangen die verzierten Elfenbrunnen in unsere gemütliche, heimliche Wohnung - und das ist das große und geheime Leiden des heimgesuchten Elfengebietes auf irgendeinem Land dieser Welt !